
Kill, Pussycat, Kill
by Alex De
Copyright 2011 for this German edition by Otherworld Verlag Krug KG, Kalsdorf bei Graz
By arrangement with Alex De
Smashwords Edition
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Inhaltsverzeichnis
Am Anfang war die Tat: Eine dunkle Geschichte aus Criterion (I)
Tage wie diese (Mischas Erläuterungen)
Private Parts (Sorgenträger Jammerblues)
Expedition: Eine dunkle Geschichte aus Criterion (II)
Ein kurzes Interview mit einem Vampir
Killer Klown: Eine Geschichte aus Criterion (III)
Zombie Love (Eine variierte Verbeugung)
Jagdinstinkt (Es war einmal: Sam Raimi auf Speed)
Matsch (Eine klebrige Liebesgeschichte)
Und es begab sich (Alternative Schöpfungsgeschichte)
In aller Liebe und
Dankbarkeit für Eva:
Für alles, was wir sind
Ohne Dich gäbe
es dieses Werk nicht
Homepage des
Autors:
www.kultplatz.net
Kill, Pussycat, Kill ist ein Werk der Fiktion. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig und unbeabsichtigt. Gewisse geographische Gegebenheiten beruhen auf realen Örtlichkeiten, wurden aber dem dramaturgischen Zweck unterworfen und entfremdet.
Der Autor dankt Helmut D. und Charlotte R. für die großzügige Unterstützung.
Am Anfang war die Tat: Eine dunkle Geschichte aus Criterion (I)
Die Stadt ist ein Moloch, ein lebendiger Organismus. Uralt, stetig wachsend, verschwendet sie keinen Gedanken an jene, die sie bewohnen. Leid und Elend, Freude und Lachen, nichts davon schert das monströse Leben.
Tief unter der Erde schlägt das schwarze Herz, seit Jahrhunderten, unbekümmert, ignorant dem flüchtigen menschlichen Leben gegenüber.
Was wir Menschen tun, was wir unterlassen, dafür hat die Stadt keinen Sinn. Sie ist die Stadt.
Sie ist.
Die Geschichte:
1
Norman konnte nicht fassen was er sah. Die Zeiger der Uhr standen auf Mittag, der Tag strahlte trübe, matte Müdigkeit aus. Dichte, tief hängende Regenwolken gestalteten das Bild des Himmels. Grau wie ein totes Fernsehbild, grau wie freiliegende Gehirnmasse. Grau wie die überwältigende Trostlosigkeit des Alltags.
Jeder Atemzug brachte eine Portion feuchter, von Regen gesättigter Luft in die Lungen. Kalt, scheinbar staubfrei, täuschend frisch. Schmierige Schwüle, Schweißflecken unter den Achseln, Feuchtigkeit in der Arschritze. Nicht mehr lange und es würde vom Himmel pissen. Es roch nach kräftigem Regen mit dicken, schweren Tropfen. Pissen wie ein besoffenes Brauereipferd mit Blasenentzündung.
Überall verdammte, verachtenswerte Anzüge. Sie hockten in aufgemotzten, viel zu teuren, kleinen Restaurants. Elitäre Scheißbuden, die vorgeblich aufwendig produzierte, winzige Portionen von molekularem Sondermüll servierten. Hübsch arrangiert, sündteuer. Fressen für Blender.
Sie unterhielten sich über Sex, tauschten Insiderwissen, hatten Sex, verkauften illegale Informationen, erpressten Sex, warben einander aus Unternehmen ab, gaben vor Sex zu haben, planten, von sexueller Frustration getrieben, Intrigen und schlossen Geschäfte ab. Gaben sich dem Geschäft des Betrügens und Bereicherns hin. Wurden gefickt. Fickten zurück.
Bereiteten sich auf weiterführende, pathologische Vergnügungen des Abends vor. Anzüge in allen Variationen. Direktoriumsmitglieder, Vorstände, deren Assistenz, Bereichsleiter, Marketingleiter, oberstes Management, mittleres Management.
Letztere waren die Schlimmsten. Die oberen Chargen waren Arschlöcher, das war klar. Egoisten, die alle anderen Menschen als Futtervieh ansahen, dessen einziger Zweck es war, ihnen bei der persönlichen Bereicherung dienlich zu sein. Logisch. Um an die Macht zu kommen, brauchte es Kanonenfutter. Normalos, die man problemlos opfern konnte.
Lag in der Natur der Sache.
Das mittlere Management hingegen verkörperte das Verderbnis der Menschen in all ihrer Farbenpracht. Verlogen, falsch, hinterhältig, intrigant. Auf dem Rücken anderer bis auf dieses Level gekrochen und geschleimt, die Zähne schwarz von all der Scheiße, die sie ihren Vorgesetzten aus dem Arsch fraßen und leckten, während sie selbst nach unten kackten.
Karrieregeile Egoisten mit verbogenem Charakter, die sich für etwas Besseres hielten, aber nie gut genug waren, um die notwendige nächste Stufe zu erklimmen. Dabei vom eigenen Ego verblendet, nicht mehr in der Lage, den Umstand der eigenen Unfähigkeit zu erkennen.
Schuld waren, natürlich, die hierarchisch unterlegenen Versager. Immer. Die so genannten kleinen Leute. Widerliche haarige Wesen mit großen Füssen. Symbolisch, nicht bildlich. Aber unverrückbar. Hassenswerte Kreaturen. Parasiten, die ein von Schmarotzertum geprägtes Leben führten, gleich Blut saugenden Zecken und Blattläusen zerdrückt gehörten. In den Staub getreten, vom Antlitz der Erde entfernt. Ausradiert.
Eine sich selbst erhaltende Kaste parasitärer Fruchtbarkeit.
Scheiße im Anzug. Nicht mehr, nicht weniger.
Möchtegerns. Blender und Verlierer, voller Hoffnung, über teure Stoffe an Erfolg zu gelangen. Teure Stoffe am Körper, teure Stoffe hoch die Nase, es spielte keine Rolle. Nur der Erfolg war wichtig.
Mehr Sein durch Schein, Kleider machen Leute betend, Schneefeste organisierend, darum betend sich in Kreise einbringen zu können, in denen sie nichts verloren hatten. Witzfiguren, sich selbst der Lächerlichkeit preisgebend. Dankbare Opfer vernichtender Nachrede.
Ganz einfach Dummköpfe.
Während ihn diese höchst misanthropen, allerdings um nichts weniger richtigen, Gedanken in Beschlag nahmen und quälten, hockte Norman im schäbigen Imbiss.
Vor den staubgrau verschmutzten Fenstern drängten sich die Leute wie Maden im Speck. Auf der von Brandflecken übersäten Resopaloberfläche des Tisches ein Teller. Ein nicht sonderlich appetitlicher Mischmasch von buntem Irgendetwas. Billig, scheußlich, nicht zu identifizieren. Ein geschmackloser Vorwand, um hier sitzen zu können.
Zwei Stunden zuvor war er gefeuert worden. Aus seinem Job wegrationalisiert.
Folgendes hatte man ihm gesagt:
»Sie wissen Norman, wir müssen sparen. Ihnen ist sicher auch bewusst, dass auf der Seite der Ausgaben die Angestellten der größte Posten einer Firma sind und da wiederum die älteren Personen. Sie sind einer davon, Norman. Alt und teuer. Rationalisierung ist das Schlagwort, Kosteneffektivität, Wirtschaftskrise. Sehen Sie der Wahrheit ins Gesicht, akzeptieren Sie. Finden Sie neue Herausforderungen, Norman. Ein Mann mit Ihren Qualifikationen wird überall gebraucht, nur eben nicht hier. Hier ist Ihre gesetzlich vorgeschriebene Abfertigung. Bleiben Sie uns als Konsument gewogen und leben Sie wohl!«
Ja.
Jetzt hockte er in einem beschissenen Lokal, fraß beschissenen Scheißdreck und hatte einen beschissenen Fäkalfetzen von Kackscheck in der Scheißtasche. Hölle nochmal, Norman sah sich nicht als Verlierer. Er hatte eine solide Ausbildung und war am Höhepunkt seiner beruflichen Erfahrungen. Es gab eine Menge Dinge, die er in seine Arbeit einbringen konnte. Wissen, Erfahrung, Logik und Können. Aber was nutzte das, wenn er alt genug war, um selbst auf dem untersten Niveau der Gehaltsstufe, mehr zu verdienen als zwei dumme Neulinge gemeinsam.
Es leben die absurden Gedankenloswelten der beamteten Legislative Sie leben hoch, dreimal hoch! Wissen war nichts Wert. Erfahrung wurde nicht belohnt. Sei eine billige Nutte. Scheiß auf den Rest. Würdelosigkeit als Chance.
Verrecken sollt ihr alle! Er warf einen Blick auf die Scheiben, betrachtete kurz sein mattes Spiegelbild vor dem beginnenden Regen. Sah die Ähnlichkeit mit einem langsam ergrauenden Schauspieler, nur ohne dessen monotonen, stets gleichen Gesichtsausdruck. Jene tote Miene, die besagte, dass die besten Tage endgültig vorbei waren und jetzt die Zeiten anbrachen, in denen man als Stargast von Fernsehshow zu Fernsehshow weitergereicht wurde, um von ruhmreicher Vergangenheit zu erzählen.
Zeiten, die niemanden interessierten. Junges Publikum, ungebildet, ahnungslos, desinteressiert. Mit der Aufmerksamkeitsspanne einer Eintagsfliege im Stress sich zu vermehren, bevor die Sonne hinter dem Horizont verschwand und das Leben auslöschte.
Graue Schläfen. Modernes Tingel-Tangel durch die unendlich weiten Provinzen der Kabelstationen und Nachmittagsshows, der Spartenkanäle und Minisender. Gelegentliche Auftritte in einer wöchentlichen Abendshow, wenn gerade niemand sonst zur Verfügung stand: Promikochshow, Wohltätigkeitsquiz, Galas für dieses, Galas für jenes. Bootcamp für B-Promis.
Das unbarmherzig demütigende Schicksal eines Stargasts in kurzlebigen Fernsehserien, um dort als Trittleiter für die nachfolgende Generation langweiliger Jungstars zu dienen. Genormte Gesichter aus recycletem Einheitsbrei, geklonte Dummheit aus dem OP. Ihnen die Karriereleiter hochzuhelfen. Ihnen, den nichts sagenden Fadessefressen, die von wichsenden Produzenten für wenige Minuten Ruhm auserkoren worden waren. Als, tätschel, tätschel, Belohnung für einen gelungenen Blowjob. Der Moneyshot zur Karriere. Bis der nächste langweilige Scheißklon nachrückte, weil er dem Produzenten den Schwanz noch ordentlicher poliert hatte.
Formel K:
Kehle + Schlucken = Karriere
Norman hatte vor kurzem seinen Fünfziger überlebt und die selbstredende, beschämende Wahrheit war folgende:
Niemand würde ihm einen neuen Job geben! Kein Manager mit Verstand würde ihn einstellen. Konnte es gar nicht. Erstens wusste Norman mehr als diese Scheiße im Anzug und zweitens war er kostenintensiv, schmälerte im Promillebereich den Gewinn der Scheiße im Anzug.
Also: Es gab absolut keinen, nicht den geringsten Grund, warum ein 08/15 Personalchef, alias Scheiße im Anzug, Norman einstellen sollte. Dafür war es sogar schon vor zehn Jahren zu spät gewesen. Für das Geld, welches der Anzug dem grauhaarigen, traurig aussehenden Mann in den Rachen stopfen musste, konnte die Firma zwei doofe, aber billige und vor allem hübsche junge Mädchen einstellen.
Mädchen, die zusammen beinahe dieselbe Leistung zu erbringen in der Lage waren, wenn ihre Brüste genügend Umfang hatten. Brüste, die beinahe echt aussahen.
Aber eben nur beinahe. Vielleicht geschah gerade eben genau das und in Normans düsterer Gedankenwelt war aus einer Möglichkeit absolute Gewissheit geworden. Er wusste, was jetzt geschah. Wusste, warum er aus der Bahn gedrängt worden war.
Denn mit Sicherheit hatte sein ehemaliger Chef gerade seine kurzen, dicken Würstchenfinger in einer frischen, sauberen Muschi stecken, während die zugehörige Frau so tat, als käme es ihr davon, obwohl sie trocken wie die Namib war und ihr die kratzige Reibung Schmerzen bereitete.
Die Fingernägel am Ende des Wurstfingers waren nicht abgefeilt und der Ehering, so fest sitzend das er gar nicht mehr abging, war im Laufe der Jahre durch rücksichtslose Misshandlung schartig geworden wie die Psyche des Würstchenfingereigners.
All das jedoch akzeptieren die großen Brüste nach kurzer, einsilbiger Beratung, nur um diesen beschissenen Posten zu bekommen. Oh ja, die Würstchenfinger ficken im Staub und dem Anhängsel dieser bleichen, faltigen Engerlinge ist die Trockenheit egal, denn der Schwanz ist steif und tropft und eine Hand mit langen Fingernägeln schließt sich um das Glied und gleitet daran auf und ab, auf und ab, auf und ab, bis es zur warmen, klebrigen Entladung kommt, auf und ab, auf und ab.
Zurück bleiben klebrige Finger und Schmerzen im Schoß.
Regen am Rande der Namib.
Ein Equilibrium: Das Zusammenwirken mehrerer Kräfte, die einander aufheben und so einen (vorübergehenden) Ruhezustand verursachen: Das Gleichgewicht. Thermisches Gleichgewicht.
Stellen, die keinen zweiten McJob bedingten um das Überleben zu gewährleisten.
Darum würde Norman niemals einen neuen Posten bekommen. Überall wohin er gehen konnte, drängten sich Saharamösen mit schlanken, schmalen Wichshänden, um Samen zu pumpen oder After zu öffnen.
Ob Wüstenfotze oder strammer, harter Tundraschwanz, es spielte keine Rolle. Auf und ab, auf und ab, darum ging es, weiter nichts. Wer brauchte Körper, die begonnen hatten, dem Ruf der Zeit Folge zu leisten, wenn das junge, straffe Fleisch günstig und ausreichend zu bekommen war.
Ficken.
Jeder fickte jeden.
Die Welt war verfickt.
Die einzig noch zählende Qualifikation neben dem niedrigen Preis war die Willigkeit, waren das Ficken und gefickt werden, das Blasen, das Lutschen, das Schlucken, das Pissen. Sex war alles, Sex regierte den Globus, hatte immer schon geherrscht und würde es bis in alle verfickten Zeiten tun.
In Ewigkeit ficken, Ramen.
Am Anfang war die Nudel und sie wird am Ende stehen.
Wer nicht mithalten kann, stramm und feucht und orgiastisch ist, wer ein Vorspiel wünscht, der hat ausgeschissen. Keine Zeit für den Luxus des feucht Werdens. Es zählt das schnelle Ficken, die Reinkultur des Geschlechtsverkehrs. Gefühle aus, Gehirn auf Pause, ficken, arbeiten, ficken, arbeiten, Arbeitsficken. Jobs für billige Blitznutten. Alle haben sich zu prostituieren: Männer, Frauen, alt, jung. Billige, willige Nutten. Die einzig wahre Qualifikation.
Formel K.
Dank der beschissenen Globalisierung und der Amok fusionierenden Konzerne, die immer größer wurden und immer mehr Leute rauswarfen, war Norman jetzt in der Lage zu tun, was immer er tun wollte. Er hatte keine anderweitigen Verpflichtungen mehr. Er war in jene Freiheit entlassen, die sich ein im Joch der Ausbeutung steckender Arbeitssklave so sehnlich herbeiwünschte, ohne sie tatsächlich je erleben zu wollen.
Norman versuchte die Angelegenheit positiv zu sehen: Es gab so viele Möglichkeiten. Eingeschränkt nur durch ein paar lästige Kleinigkeiten wie fehlendes Einkommen, die Abwesenheit einer Versicherung, das Fehlen einer Zukunft. Doch der moderne Mensch jammerte nicht, das war kontraproduktiv. Der moderne Mensch krempelte die Ärmel hoch und machte. Die Ich-AG hatte zu funktionieren.
Was für ein ausgekotzter, schleimiger, faulig stinkender Schwachsinn. Dreckscheiße, für die dem Erfinder dieser Gedanken die Hoden rasiert gehörten. Mit einer stumpfen, rostigen Rasierklinge, die Haare einzeln entfernt, am besten mit dem selben unbrauchbaren Werkzeug. Gehalten von zittrigen Parkinsonhänden, geführt von trüben Blick der Hoffnungslosigkeit.
Diese egoistische, machtgeile, niemals in Schwierigkeiten gewesene, verhätschelte, mit einem absurden Selbstbild gesegnete Drecksau war schuld daran, dass jemand wie Norman, der nicht mit Charakterlosigkeit gesegnet war, keinen Job bekommen würde. Er war körperlich gesund, hatte keinerlei schwerwiegende Beschwerden. Sicher, ein bisschen wetterempfindlicher als früher, kleine Zipperlein. Der Rücken schmerzte schneller und mit den sportlichen Leistungen war es auch nicht weit her.
Dieses ganze junge Gesindel, das seinen Rücken vor dem Götzen der modernen Zeit krümmte, dem vernetzten Blechtrottel, dessen rudimentäre Ansätze zu Intelligenz auf menschlichem Niveau, sprich, blöder Sinnleere, geprägt von Ignoranz und Intoleranz, mit erschreckender Dominanz die Gesellschaft lenkte, puh, was für ein verquerer Gedankenwurm, der da in seiner grauen Masse nagte, dieser verdummende Nachwuchs also, formte sich nach und nach zu einem quaderförmigen Körper, so wie es der Gott aus Schaltkreisen und Blech forderte, sei unser iArsch.
Verrecken sollten sie alle, diese gesellschaftlichen Hurenkinder, diese Vernichter der Zivilisation, diese Zerstörer des Menschlichen. Qualvoll, schreiend, unter unerträglichen Schmerzen jaulend sollten sie verrecken, krepieren, abkacken.
Oh, wenn er nur daran dachte, am Arbeitsamt vorstellig zu werden, bei einer fetten, beschissenen, unbekümmerten Beamtin, die ihn anschnauzen würde, in einen Kurs stecken, für den er hundertmal überqualifiziert war, die ihn schikanieren und sekkieren würde, er könnte jetzt schon Blut spucken, Galle kotzen, Durchfall scheißen vor Hass. Norman blickte aus dem dreckigen Fenster hinaus auf die andere Seite des Glücks, die schöne Seite.
Dort machte sich der beginnende Regen daran, den verbliebenen Dreck aus der Luft zu waschen.
Dort flanierten die langbeinigen Frauen in ihren glänzenden Seidenstrümpfen und den sündteuren Fick-mich oder Ich-fick-dich High Heels. Mit ihren glatten, makellosen Schenkeln, dem dunklen, rosa Fleisch ihrer Schamlippen, der feucht glänzenden, sanft duftenden Fotze, der heißen Enge ihrer Vagina.
Dort flanierten Frauen, die beim Ficken ihre Strümpfe anbehielten, Frauen, die beim Ficken ihre High Heels anbehielten, Frauen, die geil waren, Frauen, die einander ableckten und mit den Fingern fickten, Frauen, die zu zweit an einem Schwanz lutschten und die es mochten, wenn man über ihre perfekten Brüste spritzte, wenn man in ihrem Mund kam, auf ihr Gesicht ejakulierte. Frauen, die schluckten.
Pornofrauen. Perfekte Frauen mit makellosen und straffen Brüsten, dunklen, harten Warzen, umgeben von perfekt proportionierten Warzenhöfen. Frauen, die selbst im Schweiße der Ekstase nach Rosen dufteten und deren Anus an sauberer Wohlgestalt nicht zu überbieten war.
Göttinnen.
Dort flanierten Frauen, die ihre Macht nutzten und bekamen was sie wollten, begehrt wurden. Frauen die weit feministischer waren als es die verhärmten, politisch überkorrekten Birkenstockrosinen je gewesen waren, die darüber geiferten und schimpften in ihrer Blindheit.
Und nicht zu vergessen, die Männer in dunklen Anzügen, der Berufsuniform der blasierten Angeber. Sie glichen einander wie Klone, durch simples biologisches Copypasten den Schoten entsprungen, die sie hinausschleimten in eine von Schwammhirnen und Seesternen beherrschte Welt.
So geklont wie ihr Äußeres war ihr Sex. Sie kannten die Bücher, sie kannten die Stellungen, sie hatten keine Phantasie, aber sie rammelten mechanisch perfekt und meinten, die Besten zu sein. Für sie gab es kein Versagen und wenn das Unaussprechliche doch einmal, zweimal, dreimal geschah, wurde es erfolgreich verdrängt, die Schuld abgeschoben. An den Fickpartner, an die Untergebenen, an Vorgesetzte, an irgend jemanden.
Gefühllos, mechanisch, nach Lehrbuch. Alle programmiert, in der selben Sprache, der gleichen Art zu denken, der identen Methode des Handelns. Wetware, Maschinen aus Fleisch und Blut. Ohne eigenes Bewusstsein, bloß mit einem rudimentären Programm zur sozialen Anpassung ausgestattet. Biologische Verlängerungen der Götter aus Blech. Nichts weiter als Vollzugsorgane ohne eigene Gedanken.
Schädel voller Scheiße aus Managementkursen. Schädel voll Scheiße, die sie über sich dachten. Schädel voll Scheiße, die ihre Vorgesetzten auf sie abließen, während sie unter den haarigen Ärschen ihrer Vorgesetzten hockten und ihre Scheißmäuler aufmachten, während die Scheiße aus dem haarigen Arsch auf ihre porzellanüberzogenen Zähne klatschte.
Sie fraßen, kauten, schluckten die Scheiße, kotzten sich voll, schissen sich selbst an, aber sie waren willige Scheißempfänger. Klone voll von und bestehend aus Scheiße. Perfekt an den Alltag angepasste Contentarschlöcher. Perfekt in ihrer Ekelhaftigkeit.
Hier, auf der verkehrten Seite des Glücks, hinter dem Spiegel, im Schatten des Lebens, schmeckte sogar das Bier beschissen. Es reizte die Geschmacksknospen zum Kotzen, wie es das Leben seit rund zwei Stunden tat. Das Bier schmeckte wie kalter Morgenurin, sah aus wie kalter Morgenurin, roch auch wie kalter Morgenurin.
Norman wusste, auf der anderen Seite, da würde der Morgenurin der Göttinnen wie Nektar schmecken, aber keine dieser Göttinnen würde mit gespreizten Schenkeln über seinem geöffneten Mund hocken, um ihm diese Götterspeise zuteil werden lassen, warm, wohlriechend und köstlich schmeckend.
Kein Nektar für Norman.
Nicht für ihn, oh nein, nicht für Ausschussware des Lebens. Vor rund hundertzwanzig Minuten zu Abfall mutiert. Für Leute wie ihn gab es in altem Fett rausgebratene, kränklich weiß wirkende, aus Fleischresten gepresste und in Därme gefüllte Wurstpampe, die man besser nicht für Analsex missbrauchte.
Für ihn war die Kloake gedacht, die aus Kläranlagenwasser fabrizierte Pisse, der Dreck, mit dem die Massen, die Dummen, die Sklaven, die Entbehrlichen, die Überflüssigen, das Vieh, abgefertigt wurde. Das Billigste für die Letzten. Dies war seine Welt, die schöne neue Welt, in der er gelandet war.
Die Unterseite der High Heels.
Der Keller von Metropolis.
Norman überlegte, was er falsch gemacht hatte. Er war keine schleimige Kröte gewesen, nein danke. Nicht er. Nie voll im Griff des Puppetmasters. Sein Wort war etwas wert gewesen.
Leute wie er waren vom Aussterben bedroht. Die Nachfolger kamen aus ihren Höhlen gekrochen und deren Charakter war der von Ebola, von Hühnergrippe, von etwas ganz Schlimmen. Er hatte nichts falsch gemacht. Die Menschheit hatte sich defekt entwickelt, war abgebogen in die Sackgasse der Mittelmäßigkeit, Kommerzraser um jeden Preis, Billigfetzer, Zyniker und Schwitzladenherrscher.
Norman hatte darauf geachtet, in dieser Welt seine Integrität zu wahren und genau das schien sein einziges, aber gravierendes Manko gewesen zu sein. Eigentlich lächerlich, eigentlich wortlos, stumm sinnlos, indiskutabel irrelevant, aber siehe da, von mörderischer Konsequenz, trotz aller Nichtigkeit.
Er war aus dem Unternehmen futsch, obwohl die Manager wissen mussten, dass sie ohne die Normans dieser Welt ihre hübschen Yachten nicht haben würden, sie die teuren Freundinnen nicht am Sonntag zum Brunch, im Modewagen der Saison, vorfahren konnten. Nichts ging ohne die solide Arbeit der Normans. Manager waren nicht in der Lage, die grundlegende Arbeit zu verrichten. Sie sahen nur ein nonexistentes Gesamtes.
Nichts funktionierte ohne die Normans dieser Welt. Ohne sie wäre der ganze verdammte Scheißeball einer Welt schon längst aus der Bahn gerollt und in der Sonne gelandet. So wichtig waren die Normans. Ein Wort des Dankes wäre das Mindeste gewesen, aber nein. Nichtmal das vergönnten sie ihren Sklaven, die Sklaventreiber, die Parasiten und Zecken, die Filzläuse im Schamhaar, die schwanzlutschenden, fingerfickenden Fotzenkleber.
In den guten, neuen Zeiten wurden die Leute nicht mehr ausgepeitscht. Aber sonst war nicht viel Unterschied zu den schlechten alten Zeiten. Die Prinzipien waren geblieben. Warum auch nicht, dieses System hatte sich bewährt. Warum es also Krankverbessern?
Ein Arschtritt statt einem Dankeschön, großartig.
Parasiten, nichts anderes. Schmarotzende Schädlinge, die sich ohne Rücksicht der Früchte Arbeit ihrer Angestellten bedienten und sie ohne Bedenken aussaugten. Wenn das nicht reichte, dann pushten sie die Firma mittels Lug und Trug und Bilanzfälschungen so hoch, dass sie einen Rahm abschöpfen konnten, den es in Wahrheit gar nicht gab.
Bis das ganze hohle Seifenblasengebilde zusammenfiel, hatten sie ihre Schäfchen schon ins Trockene gebracht und hockten auf ihren Yachten im karibischen Meer, klagten absurde Ablösungen ein und genossen die Schwänze und Mösen der menschlichen Äquivalente – ja gibt es dieses Wort überhaupt, egal – zu den tierischen Zivilisationsfolgern, den Geldfolgern, die reichlich und hübsch zur Verfügung standen.
Manager = Charakterschwein = Verbrecher.
So simpel und bitter die Schlussfolgerung.
Die Welt voll Scheiße beherrscht von den Schmeißfliegen, den Verbrechern, den mittleren Managern. Als ob das nicht schon genügend Scheiße gewesen wäre, die da aus einer Wolke direkt über seinem Kopf auf Norman hinabregnete, war da noch Fritz.
2
Fritz, die menschliche Dungfliege.
Ein so genannter Freund. Ein Freund von der Sorte, die jeden Feind überflüssig machte. Reduziert auf das Maximum der zwischenmenschlichen Kommunikation, war er eigentlich gar kein Freund, konnte nicht einmal als gerne gesehener Bekannter gewertet werden.
Eine Zumutung.
Wahrheit = Schmerz = Befreiung.
Jemand, bei dem man vor kaum vorstellbar langer Zeit, die Ursprünge der verhängnisvollen Affäre längst im Dunkel der Geschichte versunken, den fatalen Fehler begangen hatte, nett gewesen zu sein.
Seitdem klebte er wie Kaugummi an der Schuhsohle an der Psyche am Nervenkostüm.
Ein Psychovampir.
Ein Nervensauger.
Ein Energieräuber.
»Ich muss mit dir reden.«
Sagte Fritz und ließ sich ihm gegenüber nieder.
Woher er kam, warum er kam, wie er ihn aufgespürt hatte, Norman wusste es nicht. Wollte es nicht wissen. Er war beschäftigt damit, in immer tiefere Abgründe voller Ausscheidungen und geistiger Eiterkotzereien zu versinken.
Wer brauchte da Gesellschaft?
Uneingeladene, ungewünschte Gesellschaft.
»Hör mal Fritz, ich ... .«
Begann Norman und wurde von der Kellnerin unterbrochen.
Fritz machte sich ans bestellen, als hätte er eine Armee aus sich selbst zu füttern. Toast, Schinken, pochierte Eier, Würstchen, Palatschinken, Wasser, einen Irish Coffee, ...!
»...’schn dasch?«
Murmelte die Kellnerin hinter ihrem Kaugummi hervor.
Ein Klischee aus dem X-Rated Bilderbuch. Ein schneller, billiger Fick zwischendurch, Trashrammeln, beim Hinterausgang, gleich neben den überquellenden und von Ratten bewohnten Mülltonnen. Blondiert. Mit schwarzem Ansatz. Genau die Art von Mädchen, die in Komödien an den falschen Stellen lachte und zweitklassige Darsteller für Stars und großartige Schauspieler hielt.
Ein Mädchen, mit dem man sich nur abgab, wenn man sich nicht selbst einen runterholen wollte. Fünf Minuten, Crash, bam, thank you, Bitch!
»Kaffee mit Schlag und Whiskey, Trish.«
Gab Fritz geduldig zurück.
Natürlich hieß sie Trish. Sie sah aus wie eine Trish, sie redete wie eine Trish, vermutlich roch sie sogar wie eine Trish. Von ihr bekäme man einen Blowjob wie von einer Trish. Kantig, mit Kaugummi verklebt, nach Kirsche schmeckend.
»Ich ‘schnisch b’ man dasch ‘ab’n.«
Bubbelte sie in den Kaugummi.
Wie zum Teufel stellte Fritz das an, diese wiederkäuende Kuh zu verstehen? Dieses dumme Rindvieh in menschlicher Gestalt, dieser Euter tragende Dummbolzen, dem jemand mit einem langen Haken das Gehirn durch die Nase aus dem Schädel gezogen, in einer Pfanne gebraten und verspeist hatte.
»Glaub mir Trish, ihr habt einen Irish Coffee. Du erinnerst dich nur nicht. Ich komme schon seit Jahren einmal die Woche hierher und noch jedes Mal habe ich ihn bekommen. Frag deinen Chef. Du hast ihn mir letzte Woche serviert und die Woche davor und so weiter!«
Diese Auskunft erklärte wenigstens, wie Fritz ihn gefunden hatte. Norman hätte lachen können über diese bösartige Ironie des scheißeverschmierten Tages, wenn ihm nicht so elendig grau zumute gewesen wäre. Wie auch sollte es anders sein, dass er ausgerechnet in der Stammbude von Fritz landete, an dessen Stammtag.
Bubble, bubble, Großaugenglotz
Trish ging von dannen.
Norman seufzte. Wie es aussah, gab es kein Entkommen vor der brutal launischen Rücksichtslosigkeit des Schicksals. Draußen vor den dreckigen Fenstern, dort wo die schönen Frauen herumstöckelten, hatte es jetzt wirklich zu pissen begonnen. Der Himmel strullerte, was die Wolken hergaben.
Logisch, er hatte schließlich keinen Schirm dabei. Er war gefangen.
Singin‘ in the Rain.
Wenigstens funktionierte das Radio im Lokal nicht, das Lokalradio, ha ha ha, was für ein Brüller. Bei seinem Glück hätte es die Hitparade der mitreißendsten Selbstmordsongs der letzten vierzig Jahre gedudelt. Tragische Geschichten von verlorener Liebe, Selbstmorden, Selbstaufgabe, Selbstvernichtung, Freitod, Selbsttötung, Verzicht, steinerweichenden Krankheiten, gebrochenen Herzen und ähnlichen, zu begeistertem Suizid verleitenden Themen.
Was für ein miserabler, beschissener Tag.
Ideal, sich zu entleiben.
Es regnete wie Pferdepisse
Er lebte in einer Welt voll Scheiße
Kurzes Gedankenexperiment in langer Satzkolonne: Vielleicht lag es nur an ihm und die Welt war gar nicht so schlecht, nein, kein Staatsführer irgendwo auf dem Globus drohte Amok zu laufen und die Welt in eine neue Variante eines Religionskrieg zu jagen und das Ozonloch war in Wahrheit positiv, El Nino halb so schlimm, Tsunamis, Wirbelstürme und Erdbeben versetzten nicht die Welt in Panik, der Regenwald wurde nicht abgeholzt, um Weideland für verdammte Rindviecher zu schaffen, die in billigen Burgern endeten und die Japaner arbeiteten nicht daran, die Wale auszurotten, während keine faulen Kredite, überhitzte Aktienkurse und Bilanzfälschungen nach und nach Banken ins Wanken, juhu, ein Reim, brachten, oder FotzenMac Kredithaie und Konzerne in eine Serie von Pleiten, welche die Welt in eine Rezession zu stürzen drohten, rissen.
Die überlebenden Konzerne krebswucherten nicht Amok wie ein blindwütig gedeihender Tumor auf der Flucht vor einer Wirtschaftskrise und überhaupt.
Happy, happy, joy, joy.
Regennasse Kleidung klebend auf vanillezarter Frauenhaut, schimmernd, glänzend, lockend.
Träume = Illusionen = Geisteskrankheit.
»Hör mal Fritz, ich ...!«
Startete er einen neuen Versuch.
Wurde dabei von der wiederkäuenden Kellnerin unterbrochen wurde, die strahlend an den Tisch kam, um Fritz muhend mitzuteilen, dass er seinen Irish Coffee bekommen könne.
»Danke, meine Liebe.«
Sagte Fritz und zwinkerte anschließend Norman zu.
Oh wie enervierend, dieses verschwörerische Männer-unter-sich Zwinkern, dieses Illuminaten inspirierte, peinlich billige Geheimbündlerzwinkern, dieses schäbig, schmierige Augenkommunizieren, das der abfälligen Nachrede vorgesetzt wurde, denn Mann war unter seinesgleichen.
Konnte sein Gegenüber mit einer langen, uninteressanten, überflüssigen, unerwünschten Erklärung foltern.
»Sie ist ein dummer Trampel, ich weiß, ehrlich. Hat eines Tages etwas gegessen, das mit einer Art mutiertem Vogelgrippenvirus verseucht war. Eines von den Dingern, wie sie immer häufiger auftreten und wie man sie immer schwerer in den Griff bekommt, du weißt schon. Na jedenfalls, sie konnten ihr in einer Spezialklinik mit diversen experimentellen Medikamenten zwar das Leben retten, aber ihr Gehirn verwandelte sich dabei in so was wie glibbrigen Schweizer Käse, voller Löcher. Ehrlich. Keine Ahnung ob das von dem Vogelvirusmist gekommen ist oder von den Heilmitteln, ist auch egal, du weißt selber das die Medizin oft schlimmer als die Krankheit ist, aber das Ergebnis ist spektakulär. Ehrlich, seit dem Tag ihrer Heilung kann sie sich nicht länger als einen Tag merken, was sie seitdem gehört hat. Nichts. Ehrlich, das musst du dir mal vorstellen. Also, stell dir vor, wenn du sie heute zu Brei schlägst, hat sie morgen vergessen, was wer wann warum. Echt wahr, ehrlich. Aber das ändert nichts daran, dass sie ein netter Fick ist, ehrlich. Vielleicht sogar deswegen, was weiß ich. Interessiert mich auch gar nicht, ehrlich. Ich treibe es schon seit einem Jahr mit ihr und das Beste daran, sie weiß es gar nicht. Irgendwie cool, ehrlich. Also, wenn du möchtest ...!«
»Beeindruckend, danke, aber nein danke, ehrlich!«
Schauderte Norman spöttisch und seufzte. Stieß sauer auf. Ein Anflug von Übelkeit kam ihm hoch.
Mochte an seinen Gedanken liegen, an Fritz, an der Vorstellung, Trish seinen erigierten Penis in irgendein Schweizer Loch zu stecken.
Also ehrlich.
»Aber was ich sagen wollte ...!«
»Ah, da ist sie ja.«
Strahlte Fritz und da war er wieder.
Der wandelnde Emmentaler auf zwei Beinen, die Arme mit einem überfüllten Tablett beladen, welches sie vor Fritz entlud. Sich dabei vorbeugend.
Ausschnitteinblick.
Norman sah, was es zu sehen gab. Sieh an, ein Punkt für Fritz, das alte Schwein. Trish hatte wirklich eindrucksvolle Brüste, also ehrlich. Schwer, aber naturbelassen, kein verdammtes Silikon. Sie war eines der Mädchen mit rosa Nippeln. Ein Erdbeermädchen. Tolle Brüste. Verlockende, baumelnde Schwere, die sich warm um den dazwischen gleitenden Schwanz schloss, bis er heiße, weiße Klebrigkeit hervorsprudelte. Spritztitten war wohl der passende Begriff.
Hatte er gehört. Bei einem Gespräch zwei ehemaliger Kollegen, bedeutend jünger, genormt und voll aggressiv rücksichtsloser Energie, Jungschwänze, wie er selbst einmal einer gewesen war. Vor einer Ewigkeit. Unbarmherzig hart.
Aber das waren weder Ort noch Zeit für derartige Gedanken. Denn sein Penis, in den letzten Wochen und Monaten ohnehin nicht allzu oft für Vergnügen außer urinieren und gelegentlichem, morgendlichen Wichsen in der Dusche benutzt, versuchte sich im engen Schritt Platz zu schaffen. Er war erwacht und wollte sehen warum.
Das konnte Norman ihm nicht gewähren ohne sich anders zu setzen. Im Augenblick war dieser Vorgang aber unvorstellbar daneben. Abgesehen davon, er musste an Karin denken. Sie hatte dunkle Brustwarzen, sie war seine Frau und verdammt, wie sollte er ihr erzählen, dass er gefeuert worden war?
Nicht, dass sie soviel miteinander sprachen, aber trotzdem. Er erzählte prinzipiell nicht gerne die Unwahrheit und Karin anzulügen ging ihm ganz und gar gegen den Strich. Sie hatte einen sechsten Sinn für Schwindeleien. Wie ein Raubtier fette Beute wittern konnte.
Aber diese rosa Nippel. Vielleicht doch ein klein wenig anders hinsetzten. Schwere Brüste, die sich auf sein Gesicht legten, zwischen seine Zähne schoben um von der Zunge geleckt zu werden, diese Nippel, bis sie hart wurden. Speichelfeucht rosa glänzende Nippel, die vor seinem Gesicht baumelten während sich ihre Hand um den Schaft seines Penis schloss und auf und ab glitt, ehe sie ihn zwischen ihre Schamlippen schob, in die nasse Spalte.
Sie hatte sicher auch helle Schamlippen. Verborgen hinter blondem Schamhaar, feucht glänzend, mit kleinen Lusttröpfchen darin.
Ganz sicher anders hinsetzen. Und Schluss damit.
Nächster Versuch.
»Hör mal Fritz, das ist nicht der beste Augenblick ...!«
»Es ist nie der beste Augenblick für Dinge wie diese.«
Sagte Fritz.
Norman gab auf, resignierte vor der Unmöglichkeit, seinen Wunsch erfüllt zu bekommen und alleine gelassen zu werden. Es sollte nicht sein. Es war einfach einer dieser Tage, voll und ganz, auf und ab. Er kam hier nicht weg. Da konnte er genauso gut so tun, als würde ihn das fleckige, mit Fingerabdrücken übersäte Kuvert interessieren, das Fritz aus seiner Jacke geholt und vor ihm auf den Tisch gelegt hatte. Es sah aus wie ein Kuvert voller Briefchen, vorportionierte Koksfüllung.
»Was ist das? Geld? Drogen?«
»Ich wünschte, die Dinge wären so einfach, mein Freund. Nein, mach auf und schau rein.«
Drinnen war eine Silberscheibe.
»Eine CD? Was ist da drauf?«
»Keine CD, eine DVD, eine BluRay, genauer gesagt. Hundert und zwanzig Minuten lang, ehrlich. Film. Genauer gesagt ein Amateurfilm. Wenn du die Implikationen dieses Ausdrucks verstehst. In HD, man möchte es kaum glauben.«
Fritz nickte ihm ernsthaft zu und da war es wieder, dieses verschwörerische Zwinkern, viel dezenter diesmal, mit männlich verständnisvoller Note gewürzt. Oh Mann, wie sehr ging ihm das auf die Nerven. Er hatte dieses Getue schon als Jugendlicher nicht leiden können. Dem haftete zu viel von einer schlagenden Verbindung an, von engstirnigen, ignoranten Idioten, die sich nur dann gut fühlten, wenn sie in einer Gruppe gleichgesinnter Volltrottel verborgen waren.
Feiglinge. Destruktive spießige Arschlöcher.
»Was für ein Film? Fritz, ich verstehe nur Bahnhof. Kannst du dich etwas klarer ausdrücken?«
»Sind noch Fotos in dem Kuvert. Standbilder, Aushangbilder für den Schaukasten des Kinos, um es so zu sagen. Sieh sie dir an. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, ehrlich. Ein Foto erklärt den Film.«
Norman holte ein knappes Dutzend Fotos aus dem Kuvert. Breitete vor sich aus, nahm eines hoch, um es ganz nah vor sein Gesicht zu halten, fassungslos über das, was er zuerst darauf zu sehen geglaubt hatte.
Was er tatsächlich sah. Er konnte, wollte, durfte nicht glauben, was er da sah. So grausam konnte das Schicksal einfach nicht sein. Das war nicht möglich, oder doch? Oh ja, es war einer dieser Tage an denn alles möglich war.
Es war Mittags, er saß in einem beschissenen Laden, hatte seinen Scheiß Job verloren, es regnete aus vollen Kübeln, er war in Gesellschaft einer beschissenen Nervensäge namens Fritz, tropfte wegen rosa Brustwarzen in seine Unterhose und betrachtete Fotos seiner Frau.
Mit einen Typen.
Nackt.
Fickend.
Klassisches, schmieriges Jack Gittes Material.
»Was zum Teufel ...!«
Stöhnte er und dann stand da ein Irish Coffee vor ihm.
Er stürzte ihn in einem Zug hinunter. Bestellte bei den Erdbeernippeln einen zweiten. Er roch die Erdbeeren und spritzte in seine Unterhose ab. Eine satte Ladung klebriges, weißes, warmes Nass. Wegen dieser ach so verlockenden, blassen Nippel.
Es ging einfach nicht mehr anders.
Wochenlange Enthaltsamkeit, dann die überwältigende Vorstellung des körperlichen Kontakts mit dieser geilen, aufs Maximum reduzierten Körperlichkeit und eine der obszönsten Pornoaufnahmen, die er je gesehen hatte. Mit seiner Frau in der Hauptrolle. Er musste einfach kommen. Zuck, zuck. Spritz. Warm, nass und klebrig. Es war kein angenehmer Erguss gewesen. Viel eher ein aggressives, von Schuld, Frust und Depression überschattetes Spritzen von Samen. Aber trotzdem war ihm leichter.
»Vorsicht, der ist heimtückisch. Du schmeckst es nicht, aber er wirkt ziemlich heftig, ehrlich.«
Meinte Fritz.
»Pfeif drauf.«
Keuchte Norman.
Nach kurzem Überlegen verzichtete er darauf, die Toiletten aufzusuchen, um die Hosen etwas zu reinigen. An einem Tag wie diesem hätte er, für jedermann sichtbare, nasse Flecken im Schritt, und die Toiletten wären alle verstopft, bis in Kopfhöhe mit Scheiße verschmiert und von Fliegen heimgesucht. Ein richtiger Scheißorkan, eine Tsunami aus Scheiße rollte in seine Richtung, fegte über ihn hinweg, als wäre er ein Nichts.
»Wo hast du die Bilder her?«
Fragte Norman.
Er war ganz sicher, dass sich die vier apokalyptischen Reiter auf ihre Skelettpferde geschwungen hatten und langsam in seine Richtung trabten. Wofür sie auch sonst standen, heute hatten sie es ausschließlich auf ihn abgesehen.
»Ich habe sie selbst aufgenommen. Echt.«
Der Stolz in der Stimme von Fritz war unüberhörbar. Dafür hätte Norman ihm liebend gerne die Fresse poliert. Jeden Zahn einzeln aus diesem Maul geschlagen, Stück für Stück, die Splitter in Lippen, Zunge und Hoden gepresst.
»Wie? Ich meine, wann, ich meine ...!«
»Ich verstehe dich vollkommen, mein Freund, wirklich, ehrlich.«
Sagte Fritz.
Whamm! Joviale Großmut, von klebriger, aufdringlicher Männerfreundschaft triefendes Verständnis. Hass, unbändiger Hass brodelte in Norman, Aggressionen verursachten ihm einen Hitzeschub und der Whiskey im Kaffee tat sein übriges.
Die Hände zitterten und er ballte sie zu Fäusten, eine Geste der Selbstkontrolle, die von diesem blöden, beschissenen, überheblich dummen, selbstgerechten Dreckstück von einem Arschloch von Typen total und absolut falsch verstanden wurde.
»Lass deinem Leid freien Lauf, genier dich nicht für deine Emotionen, es wird alles gut werden. Ich bin ja da, um dir zu helfen, ehrlich. Die Bilder entstanden durch Zufall, sozusagen. Ich habe Karin gesehen, wie sie aus einem Bistro kommt, du weißt schon, einem dieser kleinen, französischen ...!«
»Ich weiß, was ein Bistro ist.«
Wieso eigentlich, dachte Norman, tranchiere ich diesen Windbeutel nicht einfach, zerlege ihn in handliche Stücke, werfe ihn auf die Kochplatte dieser Scheißbude hier und mampfe, bis die Bullen kommen, mich in eine Zelle stecken und den Rest meines Lebens wegsperren? Das wäre doch eine Erlösung. Lebenslängliche Einzelhaft. Ich hätte endlich Frieden vor dieser von allen guten Geistern verlassenen Welt.
Oh ja, begeisterte sich eine Stimme in seinem Kopf, doch da mischte sich eine weitere Stimme ein, eine zynisch gackernde Stimme. Na los doch, mach schon. Wirst schon sehen, wo du landest. In einer Haftanstalt für schwere Fälle, die nicht mehr zivilisationsfähig sind, wo du jeden Tag unter der Dusche von einem zweihundert Kilo schweren, über und über tätowierten Massenmörder in den Arsch gefickt wirst, bis du zum Waschen des Arschlochs deine Faust brauchst.
Das wird lustig, also bring Fritz um, fang an. Lass dir dein Arschloch dehnen, bis du deinen Kopf reinstecken kannst.
Na gut, dann eben nicht.
Später. Vielleicht.
»Genau. Mich hat dabei ein bisschen gewundert, was der Kerl in ihrer Begleitung mit ihr zu schaffen hatte, so eine Art Kreuzung aus Gigolo und Gangster, ein wenig schmierig. Weil ich es mir nicht verkneifen konnte, bin ich ihnen nach Heaven‘s Gate gefolgt, also ehrlich.«
Heaven‘s Gate, das berüchtigte Elendsviertel, Teil von Precinct Thirteen. Einst ein nobler Stadtteil, Ende neunzehntes, Beginn zwanzigstes Jahrhundert. Gutbürgerlich. Nun ein klassisches Beispiel für den Zerfall der großen Städte. Ein gewaltig ausgedehntes Viertel voll Ruinen, das genügend Platz für zwei Kleinstädte bot. Ein riesiger Slum, ein städtebaulicher Schandfleck.
Heaven‘s Gate war ein Ort der Gestrandeten, von der Gesellschaft an den Rand gespülten Menschen, die Heimat der modernden Parier. Von ihren ursprünglichen Plätzen durch Rassismus, Intoleranz, Ignoranz, Kriminalität, Arbeitslosigkeit und Krankheit hierhergetrieben. Verjagt und ausgestoßen von einer Gesellschaft, die auf Egoismus, Ignoranz, Intoleranz, Intrigen, Selbstsucht und dem Wunsch, Minderheiten aus ihrem Angesicht zu entfernen, aufbaute.
Eine Gesellschaft, in der der Faschismus des Alltags fest verankert war. Eine Sackgasse der Entwicklung urbaner Gesellschaften. Was zum Teufel hatte Karin in Heaven‘s Gate zu suchen? Sogar der Candyman ignorierte diesen Stadtteil, der von Drogenkriminalität, Diebstählen, Morden und Erpressungen heimgesucht wurde.
Ein Viertel, das tagtäglich ein kleines Stück wuchs, da immer mehr Leute mit der Geschwindigkeit und den brutalen, unmenschlichen neuen Regeln der modernen Gesellschaft nicht mehr mithalten konnten und von der Autobahn des amokrasenden Fortschritts abgedrängt im Straßengraben landeten.
Von Politikern belogen, Arbeitgebern ausgebeutet und versklavt, von Mitmenschen abgezockt und als Individuum ignoriert, brachen viele unter der Last der Mühen zusammen ohne sich wieder zu erholen. So schrumpfte die reiche Oberschicht immer mehr zusammen und streifte alles an Gewinn ein, was die Massen erwirtschaften. Die wenigen Geldsäcke in ihren Luxusbleiben behielten stets den größeren Anteil an Geldes und Macht.
Diese Reichen werden eines nicht fernen Tages vom Planeten flüchten und die Milliarden Elenden, die ihnen die Freude am Geldausgeben verderben, auf der sterbenden Erde zurücklassen.
So bleibt auch die Expansion der Menschheit, die unendliche Weite des Universums, den Reichen vorbehalten, während die im Vorfeld dafür nötigen Drecksarbeiten von den elenden Massen geschaffen werden.
Ein ähnliches Verhältnis wie seinerzeit zwischen Plantagenbesitzer und baumwollpflückendem Negersklaven. Huch, hat da jemand das Wort Neger verwendet? Oh ja, so wird es sein und was ist dann eigentlich der Unterschied zwischen den Sklaven und den Autoreifen der Luxuslimousinen ihrer Herren? Nun, die Reifen singen kein Gospel, wenn ihnen Ketten angelegt werden, jawohl, das ist der Unterschied und darum sind die Reifen den Reichen allemal lieber.
Aber man hüte sich davor, die Sklaverei einer bestimmten Hautfarbe zuzuschanzen. Sie wird alle betreffen, ausnahmslos alle Menschen in allen Regionen der Erde. Sie wird keine Rücksicht auf Abstammung, Familiengeschichte, Hautfarbe oder sonst irgend etwas nehmen. Was einmal war, wird niemanden kümmern.
Die glücklich vereinte Menschheit der dümmlich freundlichen Science Fiction: Eine ewige, unerreichbare Illusion. Geld abgeschafft, Friede, Freude, Eierkuchen. To boldly go, where no one has gone before. Reizend in seiner Naivität.
Fick dich ins Knie, leck mich am Arsch.
Die Realität geht in eine Richtung Welt, in der sich hauptsächlich Irre und Charakterlose heimisch fühlen können.
So einfach und bitter ist die Sache und für Norman war sie obendrein noch mit einem kräftigen Beschiss gekrönt. Das ist der Charakter eines Utopia: Niemals lässt es sich erreichen, stets bleibt es knapp außerhalb der Reichweite um dem Begehrenden den Stinkefinger entgegenzustrecken. Utopia ist beschreibbar, aber nicht greifbar. Ein Traum.
Heaven‘s Gate, das waren billige, schäbig heruntergekommene Wohnblocks, sowie weitläufige, nur wenige Etagen hohe Industriebauten aus den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ziegel massiv. Großflächige Etagen, hohe Decken. Industriebauten, die durchaus ihren Reiz hatten, wenn man sie mit modernen Wohnkasernen verglich.
Genau die Art von Gebäuden, in denen sich gerne Künstler niederließen, wegen der großzügigen Ateliers, die sie einrichten konnten. Jüngere Paare in der Blüte des beruflichen Erfolgs, Berater, Agenten, dort residierte der Herr Creative Director, der Marketing Manager, der Analfisteldirektor.
Leute, die auf der Suche nach alternativen Wohnformen waren und solche Häuer liebten, wegen der Lofts, die man dort errichten konnte. Aller Logik nach hätte sich Heaven‘s Gate zu einem der schönsten, teuersten und präsentabelsten Stadteile von Criterion entwickeln müssen. Warum genau das Gegenteil geschehen war, stellte für die wenigen Leute, die sich darüber den Kopf zerbrachen, ein Rätsel dar, dessen Lösung hinter den Kulissen der Schmiere, die als Politik bezeichnet wurde, zu finden war.
Immer wieder tauchten im Stadtrat Vorschläge auf, was mit diesem Viertel zu tun sei, wie man es umwidmen konnte, zu neuem Leben erwecken. Ideen, die sich auch einer gewissen Beliebtheit bei der Bevölkerung erfreuten. Sie alle verschwanden nach und nach im undurchdringlichen Dickicht der politischen Intrigen und Manöver und der viel näherliegenden Selbstbereicherung.
Immer wenn diese Gedanken publik wurden, marschierte eine Kolonne mittlerer Manager ansässiger Unternehmen auf, und lud die jeweilige Verwaltungsperson zu einem extrafeinen Essen. In einem Restaurant, in dem für keine Berühmtheit einfach so ein Platz zu haben war. Dann folgte der Vorschlag, die Revitalisierung doch bleiben zu lassen. Sollte sich doch das natürliche Wachstum der Stadt dieses Viertels annehmen. Aber bitte keine großflächigen Umwidmungen, Umwälzungen, Umgestaltungen. Ein hübsches Präsent in der Wertigkeit mehrerer Jahresgehälter unterstrich meist nachdrücklich den Wunsch.
Und so geschah es. Nämlich nichts.
Für die Unternehmen immer noch billiger als all den Unrat, den Abfall, die Giftstoffe, die Umweltbomben schrittweise zu entsorgen, derer sie sich dort entledigt hatten. Heaven‘s Gate hatte sich als billiger und sicherer Raum für Deponien entwickelt und was unter so manchen Bauten verborgen lag, in den Fundamenten einbetoniert, in zugemauerten Kellern verborgen, unter weitflächigen Schuttbergen versteckt, das wollte niemand wissen, sollte niemand wissen und würde niemand wissen.
Das dort lebende Gesindel hatte andere Sorgen. Sorgen, um die sich wenn überhaupt jemand, die Polizei mit grimmiger Inbrunst kümmerte und im besten Fall der eine oder andere auf verlorenem Posten kämpfende Streetworker. Idealisten und, in den Augen der Gesetzesvertreter, linkes Gesindel, das nicht einsah, warum es den korrupten, konservativen, angeblich christlichen Politikern, die ihre Klauen über der Stadt hatten, nicht nacheifern sollte. Diese Politiker, Menschen von kleiner Gestalt mit ebensolchem Charakter, fett, aufgebläht und mit Mondgesicht, waren doch die Vorbilder, die sie selbst immer wieder beschworen. Sie nannten sich Volkspartei, christlich sozial, beschworen konservative und weltfremde Glaubensregeln und schissen den armen Narren, die ihnen glaubten, ordentlich was ins Kraut.
Ramen.
»Also, erzähl weiter.«
Forderte Norman sein Gegenüber auf.
»Gut ja. Also ich bin den beiden nach Heaven‘s Gate gefolgt und was soll ich sagen, in einem der Bauten, tief drinnen in dieser abgefuckten Steinwüste, hat dieser Kerl doch eine ganze Etage in einem Haus in Besitz genommen, echt. Reicher Mann, ehrlich.«
»Ach was?«
Fragte Norman ungläubig.
»Reich?«
»Sicher doch. Ich meine, der Kerl ist echt reich. Der Mann ist ein Computerfreak, besitzt einen Laden für Software und Hardware und so Kram, verscherbelt über das Netz, unter der Hand, was immer du willst.«
»Woher weißt du das?«
»Naja, die sind also zu ihm hoch, während ich mir das Haus angesehen haben. Vielleicht zehn Wohnungen besiedelt, der Rest steht leer. Die beiden haben sich die Seele aus dem Leib gefickt und sind anschließend essen gegangen. Guter Sex macht eben hungrig, nicht wahr?«
»Woher soll ich das wissen?«
Schmollte Norman.
Karin war nach Sex mit ihm nie darauf aus gewesen, etwas essen zu gehen. Schon früher nicht.
»Baba Yaga Gaga, was soll ich dir darauf sagen?«
»Nichts, erzähl weiter.«
»Schön. Also die beiden sind raus aus der Wohnung und ich bin rein in die Wohnung, habe mir Zutritt verschafft, nicht ganz legal, aber sehr informativ, echt wahr ehrlich.«
»Du bist eingebrochen?«
Fritz war verrückter als er gedacht hatte.
Ah, welche Perspektiven boten sich ihm, Norman, wenn der Narr gegenüber Derartiges freimütig erzählte? Worauf würde dieses Gespräch, diese Offenbarung hinauslaufen?
»Scheiß drauf. Großes Appartment, ehrlich. Kannst eine kleine Firma darin unterbringen. Und ohne Scheiß, überall Computerkram. Kartons voll, was das Herz begehrt. Das neueste vom Neuen, das Beste vom Besten. Flachschirme, Scanner, Drucker, exzellente Hardware, Teile zum Säue füttern. Software, im Wert von hunderttausenden. Echt ehrlich. Und der Clou – die einzige Sicherung für all die Schätze sind ein paar teure Ü-Kameras, also ehrlich. Glaubt wohl, er ist unauffällig genug, der Bursche.«
Fritz klang verächtlich und stopfte den letzten Rest Würstchen in seinen Mund, kaute, schmatzte, schluckte und sprach weiter. Selbstzufriedenheit troff aus ihm wie Käse aus einer Käsewurst, gleich fettem Eiter glänzend.
»Kein Problem, mich aus den Aufzeichnungen zu entfernen. Wenn man weiß, was zu tun, ein Kinderspiel. Ehrlich.«
»Großartig. Sag mir, warum jemand, der über soviel Geld verfügt, in dieser verdammten Gegend wohnen sollte?«
Fragen über Fragen über Fragen. Das Leben war voll davon. Antworten waren schwer zu bekommen und selten zu verstehen.
Shit Happens.
Fritz Happens. Mit Achselzucken.
»Es ist billig. Keiner kümmert sich um die Dinge, die du tust und die Steuer, ha. Geh doch mal auf ein magistratisches Bezirksamt, sag denen, du bist ein Bewohner von Heaven‘s Gate und möchtest deine Steuern zahlen. Die brüllen sich weg vor Lachen, ehrlich. Dann holen sie einen Uniformierten, der dir den Schlagstock den Arsch hochrammt, für die Unverschämtheit, die Beamten zu verspotten. Das ist eine Steuerfreizone, ehrlich. Einfacher geht es nicht, den Gewinn zu maximieren. Du lebst dort, zahlst keine Steuern, hast ein illegales Unternehmen, verdienst dich krumm und dämlich. Musst nur ganz unauffällig bleiben. Langsame Schritte. Du verstehst?«
»Klingt logisch. Weiter.«
Eine bittere Pille, schmerzhaft wie ein fettes Zäpfchen, das sich seinen Weg ohne Vaseline in den Arsch bahnt. Ein von ihm verhasstes Arschloch erzählte ihm wie das Arschloch, welches seine Frau fickte, den einzig gangbaren Weg nutzte, um zu Vermögen und damit zu Freiheit zu gelangen. Wenn das Leben nicht ein einziger Beschiss war, was dann?
»Gut, also dieses Technoparadies ist ein volles Chaos aus Kabeln und Leitungsschächten, die zwischen einem knappen Dutzend verschiedener Rechner verlaufen. Kabelparanoia statt Funknetz, also ehrlich. Echt wüst, unübersichtlich. Was auch immer er da tut, es ist schlampig gemacht, sehr schlampig, er hat tatsächlich die Übersicht über seinen eigenen Scheiß verloren. Sehr schlecht, sehr dumm. Der Kerl überschätzt sich, ehrlich. Massen an Datenströmen, ich glaube, er streamt auch irgendwelchen Pornoscheiß. Also, ideal, ehrlich. Vielleicht auch was anderes, ich hab da einen Verdacht, aber der gehört erst überprüft, ehrlich. Also habe ich mich einfach in das Chaos eingeklinkt, ein wenig herumgekabelt und so. Wirklich einfach. Echt. Man muss nur wissen wie. Jetzt kommen munter Bilder und Daten zu mir.«
Fritz klang mächtig stolz. Eingebildeter kleiner Erdbeerkirschtittenfickendersohneinerhure.
»Willst du sagen, dass du den Kerl mit seiner eigenen Ausrüstung ausspionierst? Das wird er irgendwann merken.«
»In dem Chaos merkt der nichts, ehrlich. Gibt praktische kleine Helferlein, die das verbergen. Der kriegt nichts mit. Ist viel zu sehr von deiner Frau abgelenkt. Brauchst dir nur den Film anzusehen. Erste Sahne. Sauberer kriegst du kaum einen Porno.«
Plaudern = Verraten = Möglichkeiten.
Stolz macht dumm.
»Du weißt sehr viel über solche Dinge, nicht wahr?«
Fragte Norman nachdenklich.
Er begann, langsam und vorsichtig, den widerlichen, ungeliebten Fritz mit anderen Augen zu sehen, den Blick der Nützlichkeit in Betrieb zu nehmen. Seine Instinkte das Exempel von Nervigkeit durchleuchten lassen, ganz so, wie er es sein ganzes Berufsleben getan hatte. Vielleicht war er doch nicht so blöd, wie er wirkte. Es könnte gut sein, dass er tatsächlich brauchbar war.
Shit Happens?
»Ach was.«
Spielte der Scheißtopf das Lob herab.
»Mit der Software auf den Maschinen ist es ganz einfach, ehrlich. Ich könnte das ganze verdammte Morgenland in diesem Chaossystem verbergen, eine ganze Scheibenwelt, ohne dass unser Freund etwas davon mitbekommt. Alles sehr schlampig gemacht. Von jemandem, der zwar die Theorie kennt, aber in der praktischen Anwendung eine glatte Null ist. Wie gesagt, er überschätzt sich und seine Fähigkeiten.«
Fritz zupfte einige zerknitterte Geldscheine aus einer Tasche und strich sie auf der Tischplatte glatt. Große Zahlen auf den Scheinen.
»Du weißt doch, wie das ist. Man hört mal dieses, schnappt jenes auf und probiert. Ich bin nur ein Stümper. Geh nach Hause, zieh dir den Film rein, betrink dich. Dinge wie diese passieren tausenden Menschen jeden Tag. Du wirst darüber hinwegkommen. Kein Grund, auszurasten!«
Trish kassierte. Fritz ging. Norman kam. Ging dann ebenfalls. Stand in der Pisse des Himmels, das Kuvert in der Jacke. Sein Kommunikator gab Laut. Er nahm das Gespräch an.
Fehler.
Seine Mutter.
Scheiße.
»Du kümmerst dich wohl auch nie um mich, was? Immer muss ich dir nachlaufen! Mein einziger Sohn und der will nichts von seiner Mutter wissen!«
»Mutter.«
Seufzte Norman.
Warum nur, oh warum hatte er das Gespräch angenommen? Er hasste den Kommunikator. Er verabscheute es, Gespräche mit abwesenden Leuten zu führen. Dieses Gerät war ein Beitrag zur allgemeinen Verdummung indem seine Signale die Gehirne weichkochten. Warum also trug er solch ein Gerät bei sich?
Weil Karin es ihm geschenkt hatte! Warum hatte sie das getan? Bis vorhin hatte er gedacht, damit sie einander jederzeit erreichen konnten, aber jetzt wusste er es besser. Damit sie ihn anrufen und ausspionieren konnte. Damit sie ungehindert einen illegalen Elektrohändler ficken konnte. Damit dieser beschissene Gigolo seinen Samen in ihre Möse ballern konnte, damit sie kommen und schreien und sein Ejakulat lecken konnte.
»Ich habe Krebs!«
Sagte seine Mutter.
»Was?«
Brachte Norman verblüfft heraus.
Er hatte vergessen, den Terror am Telefon zu haben.
Mutter = Stress = Terror.
»Ich sagte, ich habe Krebs. Weit fortgeschritten, unheilbar. Ich komme gerade aus der Klinik!«
Schluchzte sie in sein Ohr.
Wider besseren Wissen fühlte er sich schuldig. Ganz so, als ob er, Norman, Sohn seiner egozentrischen, ichfixierten, ignoranten Mutter Schuld an ihrer Krankheit gehabt hätte.
»Seit wann denn, ich meine ...!«
Stotterte er und dann kreischte sie ihn an.
»Seit ich dich gesäugt habe und du gieriger kleiner Scheißer mir in die Brustwarze gebissen hast und ich nicht mehr stillen konnte und meine Brüste angeschwollen sind und ich sie abpumpen musste, und Blut und Eiter abgepumpt habe, du bist schuld an meinem Krebs, du hast mich umgebracht mit deinem Desinteresse an mir, du bist mein Mörder, mein eigener Sohn hat mich ermordet, mit Blut und Eiter und ...!«
Norman schleuderte das Gerät zu Boden und trat mit einem Absatz darauf, ließ es knirschen, ließ es knacken, zerschmetterte es, trat die Einzelteile in den Rinnstein, ließ die Chips und Prozessoren und Dioden davontreiben und vom Wasser umspülen und kurzschließen und dann war es endlich tot, tot wie seine Mutter bald sein würde, hoffentlich früher als später und ihm wurde schlecht und schwindlig und Norman lehnte sich gegen die Hauswand und kotzte, spie das ganze Essen wieder hoch, vomierte eine gelbe Masse voller bunter Brocken auf den Asphalt, während ihm der Regen ins Genick troff und unter dem Hemd den Rücken hinabsickerte und an seinem Herzen lag das verfickte Kuvert, das geile Bilder seiner fremdfickenden Frau beinhaltete.
Erdbeerfarbene Brustwarzen.
Ihm war kotzübel.
Der Ton war zwar nicht in der neuesten Dolby Version abgemischt, aber das spielte keine Rolle. Das Bild war superior und wer zum Teufel wollte schon einen Pornofilm mit Ton sehen?
Er kannte Karins Gesang wenn sie einen Orgasmus hatte.
Besser gesagt, er kannte den Auftakt dazu. Denn im direkten Vergleich musste er hören, dass es niemals mehr gewesen war als die Einleitung, der Prolog, das Vorspiel, die Prelude.
Eine Stimmübung vielleicht. Nie und nimmer hätte er diese Laute seiner Frau zugetraut. So wie sie auf dem Video schrie, hatte er es noch nie live gehört. Unglaublich. Die Frau, der er beim Bumsen zusah, hatte nicht viel mit der Karin gemeinsam die er kannte.
Seine Karin hatte sich nie mit gespreizten Beinen vor ihm auf einen Sessel gesetzt und mit einem Gummischwanz masturbiert während er zusah. Auch hatte sie ihn nie auf diese unerhörte Art oral befriedigt und dass sie mit gespreizten Beinen in ihren Stilettos stehend ihre Fotze fingerfickte, während sie fotografiert wurde, auch das kannte er nicht.
Er war nie dem Vergnügen begegnet, seinen Schwanz zwischen ihren Titten zu reiben bis er in hohem Bogen über ihr Gesicht spritzte, er war nie eingeladen gewesen, sie mit dem Mittelfinger so tief anal zu penetrieren. Sie hatte nie auf seinem Bauch hockend ihre Muschi rasiert und nie rittlings auf seinem Gesicht gehockt und seinen Schwanz gelutscht, während ihre Rosette von einer Zunge aufgebohrt wurde.
Und die Szene, in der sie sich auf die Füße pisste, um anschließend ihre Muschi mit einem Geldschein zu wischen, die musste er mehrmals ansehen, um sich von der Realität dieser Darbietung überzeugen zu lassen.
Pornofilm.
Er sah einen beschissenen, ordinären Pornofilm, entsprungen der überreizten Phantasie eines sexuell unterforderten Mannes. Solche Dinge machte niemand niemals in Wirklichkeit. Das hatte er gedacht. Andererseits sehr wohl, sonst gäbe es keine Pornofilme mit derartigen Szenen. Aber seine Frau, die machte doch so etwas niemals in Wirklichkeit.
Oder doch?
Aber nicht seine Frau.
Oder doch?
Aber mit ihm, natürlich.
Oder doch nicht?
Nein, all das kannte er nicht von der Frau, mit der er Tisch und Bett teilte. Falsch, mit der er seit Jahren in einer Art Wohngemeinschaft zusammenlebte. Eine Fremde. Ach scheiß doch der Hund drauf, er wusste nicht zu sagen, wie ihre Pussy roch oder schmeckte. So lange schon hatte sie ihn nicht mehr rangelassen. Jetzt, da er diese Bilder sah, verstand er. Sie stand auf Schweinereien, die sie von ihm anscheinend nicht einmal erwartete.
Das ärgerte Norman maßlos, denn er wäre gerne danach gefragt worden. Für einige der Sachen konnte er sich locker erwärmen. Herrje, so fad und schnell wie das Leben zwischen den Fingern davonsickerte, war das eine der wenigen Möglichkeiten, Aufregung, Spannung, etwas gesunden Dreck und unbeschwerte, ungenierte Sauerei in die eigene Existenz zu bringen. Spaß! Warum hatte sie ihn nicht darauf angesprochen?
Oh, war es etwa wegen dem Alter? Hielt sie ihn für zu alt, zu verstockt, zu großväterlich für Exzesse dieser Art? Das war einfach nicht fair. Es gab Schauspieler, die hatten in jedem Jahr ihres Lebens die gleiche Menge an Frauen im Bett, wie die Zahl ihres Alters groß war. Je älter, je mehr.
Und er wurde auf Nulldiät gesetzt?
Obwohl er noch nie Erektionsprobleme gehabt hatte, gut aussah, sich fit fühlte? Er stand und spritzte wie in jungen Jahren, er war fit wie ein Deckhengst. Trotzdem zu alt? Zorn packte ihn. Sie kommunizierte nicht mit ihm, ließ es sich lieber von diesem geilen Gockel besorgen. Verdammt, die Bildqualität der Aufnahmen war gut. Genug, um ihn erkennen zu lassen, dass der Kerl vielleicht halb so alt war wie er selbst, ein halbes Dutzend Jahre jünger als Karin.
Er verspürte nicht wenig Lust, dem Typen mit einer rostigen Rasierklinge die Hoden abzuschneiden und an ein Schwein zu verfüttern, oink. Etwas anzustellen, wie man es nur in den alten Filmen zu sehen bekam.
Den wirklich fiesen Zombie und Kannibalenfilmen der untersten Schublade. Die richtig primitive Schule, bei der dem Zuschauer zwischendurch so richtig Scheiße im Magen geworden war. Legendär eben, mit Tier-Snuff und so. Das wäre jetzt genau richtig.
Wem konnte er die Schuld geben? Karin am allerwenigsten. Sie sah phantastisch aus, da gab es nichts zu meckern. Wenigstens einen guten Geschmack hatte der Arsch. Sie konnte von der zarten Ehefrau bis zur knallharten Geschäftsfrau alles sein, was sie wollte. Sie war ein Klasseweib. Das wusste er, und Karin war eitel genug, um immer wieder anzudeuten, wie toll und verrucht sie sein konnte.
Wobei, realistisch gesehen, die Andeutungen die er kannte, ungefähr im Promillebereich dessen lagen, wozu diese Frau fähig und gewillt war. Diese ordinäre Pornodarstellerin war ihm fremd.
War er ihr einfach peinlich? Ein Mann ohne Karriere, nicht irgendein Superboss? Drückte er durch seine wenig hohe Position auf ihr Ego, war es das? Musste er etwas besseres sein, damit sie sich für ihn zur geilen Schlampe wandelte, die er wirklich sehr gerne kennengelernt hätte?
Teufel, er hatte nicht mal von der eXistenZ dieser wilden Henne geahnt.
Oder war es doch sie selbst, die ein Problem hatte? Die nach Bestätigung von anderen Männern als dem ihrigen dürstete, um zu erfahren, dass sie begehrenswert, geil und scharf war? War es das?
Wie Fritz gesagt hatte, bloß nicht überbewerten. Es war bloß Sex, ein Spiel zwischen Penis und Klitoris. Aber warum tat es ihm so hässlich in ihr Gesicht zu sehen? Erfüllt von Ekstase, von Lust und Befriedigung, während sie sich köstlichen Ferkeleien hingab, die sie ihm vorenthielt.
Er sah sich die kompletten hundertzwanzig Minuten Karin an. Irgendwann beschlich ihn der Eindruck, dass sie mehr als nur einen Mann zur selben Zeit brauchte. Kein noch so sexbesessener Freak konnte derartig wüste, lang andauernde Orgien jeden Tag liefern, aber sie schien nach dem Spektakel nicht einmal andeutungsweise erschöpft.
Wie sollte er sich das vorstellen?
Montag Jim, Dienstag Tim, Mittwoch John, Donnerstag Tom, Freitag Ben, Samstag Ken und am Sonntag Norman. Die Pause.
Das war nicht in Ordnung. Sie hätte wenigstens mit ihm reden können. Er war ein verständnisvoller Mann und eine offizielle Affäre hätte er locker ausgehalten, vielleicht sogar spannend gefunden.
Wie gesagt, das Leben war zu kurz, um sich ein klein wenig Pepp zu versagen, ein klein wenig Egoficken.
Zum Teufel, auch er wäre gerne gelegentlich fremd gegangen und wenn er an die erdbeerrosa Kellnerin Trish dachte. Da regte sich erneut etwas im Unterleib, denn ihre Brüste waren von mächtiger Anziehungskraft.
Nein, für Norman hätte Karins Lust auf andere Männer kein Problem dargestellt. Sie war seine Frau und er hätte es sogar als schmeichelhaft empfunden, wenn andere Typen sie begehrten, wenn sie sich die Befriedigung und den Spaß holte, aber er mit ihr zusammenlebte. Das wäre wirklich in Ordnung für ihn gewesen.
Herrje, Norman hätte sogar keine Einwände gehabt, wenn sie sich mit einer anderen Frau vergnügen wollte oder mit zwei, drei Kerlen zugleich. Solange es dazu diente, innere Ausgeglichenheit und körperliche Befriedigung zu erlangen, warum nicht. Kein Problem.
Aber leider war es ganz anders gekommen.
Kein happy, happy, joy, joy für Norman.
Statt dessen shitty, shitty, bang, bang.
Frust und Ärger übernahmen erneut die Kontrolle. Wie kam er dazu, allein daheim herumzusitzen und sich zu einem Porno mit seiner Frau einen runterzuholen? Wie jämmerlich war das denn?
Eine Weile saß er vor dem Bildschirm und zappte durch den Karinporno, dann fing er an, einige Kleinigkeiten in der Wohnung kaputt zu machen. Dinge, die keiner großen körperlichen Anstrengung bedurften, aber befriedigend klirrten.
Zorn ist mächtig und nicht immer kann derjenige der ihn beschwört auch die Kontrolle darüber behalten.
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Zehn Dinge die ein Mann stets in Reichweite haben sollte:
Eine scharfe und gut ausbalanzierte Axt, jede Menge Plastikfolie und eine Kettensäge. Eine mörderische, starke und scharfe Schere. Hammer und Verpackungsmaterial wie Teppich oder Handtücher. Schnur. Kann man nie genug haben. Ein voller Benzinkanister darf ebenso wenig fehlen wie Arbeitskleider und vielleicht das wichtigste aller Werkzeuge – Handschuhe.
Oh, ein gut durchdachtes Alibi und ein Buch mit zehntausend nützlichen Ausreden wären natürlich auch nicht schlecht. Aber im Großen und Ganzen reichen die ersten zehn Teile.
Wundert es irgend jemanden, dass Norman diese Dinge in seinem Keller lagernd hat?